Newsletter_2026_02_15
Liebe Mitglieder,
nach drei Verhandlungsrunden wurde am 14.02.2026 eine Einigung zwischen den Verhandlungsparteien erzielt. Das Ergebnis wird auch auf Beamtinnen und Beamte im Land Brandenburg übertragen.Der Abschluss sichert nach Meinung des Brandenburgischen Berufsschullehrerverbandes den Anschluss an die Entwicklungen im öffentlichen Dienst, bleibt aber hinter den Erwartungen vieler Beschäftigter, insbesondere der Lehrkräfte an berufsbildenden Schulen, deutlich zurück.
Positives Signal bei Tabellenentgelten
Die lineare Erhöhung der Tabellenentgelte um 2,8 Prozent (mindestens 100 Euro) zum 1. April 2026, gefolgt von 2 Prozent zum 1. März 2027 und 1 Prozent zum 1. Januar 2028, stabilisiert die Wettbewerbsfähigkeit der Länder gegenüber dem TVöD und der Privatwirtschaft zumindest formal. Die Mindestanhebung um 100 Euro begünstigt untere Entgeltgruppen und kann Einkommensabstände etwas reduzieren. Aus gewerkschaftlicher Sicht ist es wichtig, dass die zuvor gekündigten Entgeltregelungen bis Ende März 2026 wieder in Kraft gesetzt werden und damit ein nahtloser Übergang gewährleistet bleibt.
Lange Laufzeit und Reallohnfrage
Die Laufzeit von 27 Monaten bis zum 31. Januar 2028 verschafft zwar Planungssicherheit, bindet die Beschäftigten aber über einen vergleichsweise langen Zeitraum an einen festgelegten Pfad moderater Erhöhungen. Angesichts der unsicheren Preis- und Zinsentwicklung ist offen, ob die Kombination aus Prozentsätzen und Mindestbetrag tatsächlich zu spürbaren Reallohnsteigerungen führt, insbesondere in den mittleren und höheren Entgeltgruppen, in denen viele Lehrkräfte eingeordnet sind. Hier wäre aus Sicht des Verbandes eine kürzere Laufzeit mit Nachsteuerungsmöglichkeit tarifpolitisch wünschenswert gewesen.
Nachwuchsgewinnung: Licht und Schatten
Positiv zu bewerten sind die Festbetragsanhebungen bei Auszubildenden, dual Studierenden sowie Praktikantinnen und Praktikanten (60 Euro ab April 2026, weitere 60 Euro ab März 2027, 30 Euro ab Januar 2028) sowie die Staffelung der Abschlussprämie auf bis zu 500 Euro. Die Wiedereinführung der unbefristeten Übernahme ab der Gesamtnote "Befriedigend" und die Verkürzung der Stufenlaufzeit in Erfahrungsstufe 1 um sechs Monate setzen richtige Anreize und verbessern den Einstieg in den öffentlichen Dienst. Für die Attraktivität des Lehrerberufs, insbesondere an beruflichen Schulen, bleiben jedoch zentrale Themen wie Entlastung, Unterrichtsverpflichtung, Karrierewege und neue Möglichkeiten für Qualifizierungen unberücksichtigt, sodass die Maßnahmen zur Nachwuchsgewinnung nur einen Teil der realen Herausforderungen adressieren.
Ost-West-Angleichung und strukturelle Gerechtigkeit
Die Ausdehnung der tariflichen Unkündbarkeit auf das Tarifgebiet Ost ab Juli 2027 sowie die schrittweise Arbeitszeitverkürzung an Universitätskliniken im Osten sind wichtige Schritte zu mehr tariflicher Gerechtigkeit zwischen Ost und West. Für die Lehrkräfte in Brandenburg bleibt jedoch festzuhalten, dass diese Angleichungen nur Randbereiche des Schulsystems betreffen und weder die Arbeitszeitregelungen der Lehrkräfte noch die strukturellen Mehrbelastungen im beruflichen Bereich – etwa durch Heterogenität der Bildungsgänge und starke Praxisorientierung – konkret aufgreifen.
Blockade bei Entgeltordnung und Lehrkräftethemen
Besonders kritisch merken wir an, dass die TdL erneut die Fortentwicklung der Entgeltordnung, die stufengleiche Höhergruppierung und die Einführung einer Paralleltabelle für Lehrkräfte verweigert und diese Fragen an eine Änderung der Definition des "Arbeitsvorgangs" knüpft. Die von der TdL verlangte Aufspaltung von Arbeitsvorgängen würde perspektivisch niedrigere Eingruppierungen ermöglichen und jahrelange Rechtsprechung unterlaufen, was die Absage der Gewerkschaften an diesen Vorschlag eindeutig legitimiert. Für die Lehrkräfte im Land Brandenburg bedeutet die Blockade, dass die längst überfällige strukturelle Verbesserung der Eingruppierung erneut vertagt wird – ein deutliches politisches und tarifliches Defizit, das die Attraktivität des Berufs gerade an beruflichen Schulen weiter schwächt.Insgesamt sehen wir den erzielten Abschluss als Ergebnis schwieriger Verhandlungen, verweisen aber gerade mit Blick auf die Lehrkräfte und den beruflichen Schulbereich auf einen erheblichen Nachsteuerungsbedarf, insbesondere bei der Entgeltordnung, Arbeitszeit, Weiterbildungsmöglichkeiten und strukturellen Aufwertung der pädagogischen Arbeit. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Einigungspapier. (Datei unten)
Viele Grüße und viel Erfolg.
Ihr BLV -Vorstand
